Ein Sommerkrimi aus Winterthur

Eva As­hin­ze, Tod in Win­ter­thur : Moira van der Meer er­mit­telt : Kri­mi­nal­ro­man. — Schwell­brunn : orte Ver­lag, 2017. (978–3‑85830–222‑9)

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Drei Ei­zel­len und ein Mord

Moira van der Meer ist selb­stän­di­ge An­wäl­tin in Win­ter­thur. Sie un­ter­sucht im Auf­trag ei­nes wohl­ha­ben­den Ehe­paars die Ma­chen­schaf­ten der re­nom­mier­ten «Kin­der­wunsch-Kli­nik». Die wer­den­den El­tern hat­ten die Diens­te der Fort­pflan­zungs­kli­nik in An­spruch ge­nom­men und da­für eine feh­ler­haf­te Rech­nung er­hal­ten. Nun ver­mu­ten sie, dass drei der zehn be­fruch­te­ten Ei­zel­len ei­ner an­de­ren Frau ein­ge­setzt wor­den sind.

Par­al­lel dazu stellt die An­wäl­tin Nach­for­schun­gen in ei­nem Mord­fall an. Jan Krü­ger, Moiras ers­te gros­se Lie­be, fiel ei­nem ge­walt­sa­men Tod zum Op­fer. Sei­ne Wit­we, die als Ju­gend­li­che die bes­te Freun­din von Moiras Schwes­ter war, bit­tet die An­wäl­tin um Un­ter­stüt­zung. Als der Ver­ant­wort­li­che für die Ein­bruch­se­rie der letz­ten Wo­chen auf fri­scher Tat er­tappt wird, ge­hen die Staats­an­walt­schaft und die Po­li­zei da­von aus, dass die­ser auch den Mord an Jan Krü­ger be­gan­gen hat. Doch Moira glaubt nicht an ei­nen Raub­mord und in­ten­si­viert die ei­ge­nen Re­cher­chen.

Viel­schich­tig und span­nend

«Tod in Win­ter­thur» ist der zwei­te Kri­mi mit Moira van der Meer im Mit­tel­punkt. In «Der Fall Ma­ria Oke­ke» klär­te die An­wäl­tin den an­geb­li­chen Selbst­mord ei­ner jun­gen Frau ni­ge­ria­ni­scher Ab­stam­mung auf. Die Er­mitt­lun­gen kon­fron­tier­ten Moira mit der ei­ge­nen, bis­her ver­dräng­ten Fa­mi­li­en­ge­schich­te. Ihr Va­ter hat­te ihre al­ko­hol­kran­ke Mut­ter vor mehr als 20 Jah­ren ver­las­sen und war in sei­ne Hei­mat Ni­ge­ria zu­rück­kehrt. Zu­dem war ihre jün­ge­re Schwes­ter Ma­ria spur­los ver­schwun­den.
Wie schon im ers­ten Kri­mi er­hält die An­wäl­tin bei ih­ren Un­ter­su­chun­gen im spät­som­mer­li­chen Win­ter­thur Un­ter­stüt­zung. Er­neut ste­hen ihr der pen­sio­nier­te Nach­bar und Ver­mie­ter Wil­ly Mor­gen­roth, ihr bes­ter Kum­pel Asim und der Po­li­zist Gui­do Bé­jart zur Sei­te. Aus­ser­dem ver­sucht sie nach wie vor, das Rät­sel um ihre ver­schol­le­ne Schwes­ter zu lö­sen. Nach ei­nem Wech­sel­bad der Ge­füh­le, viel Al­ko­hol und Ni­ko­tin so­wie ei­ner Por­ti­on Zu­fall klärt Moira so­wohl das Ver­schwin­den der Ei­zel­len als auch den Mord an Jan Krü­ger auf.
«Tod in Win­ter­thur» ist auch ohne die Lek­tü­re des ers­ten Kri­mis ver­ständ­lich. Er ist auf­grund der drei Hand­lungs­strän­ge viel­schich­tig, den­noch leicht les­bar und span­nend bis zum Schluss. Mit Moira van der Meer ver­fügt er über eine sym­pa­thi­sche Haupt­fi­gur, die trotz Schwä­chen en­ga­giert ihre Zie­le ver­folgt und kei­ne Ge­fah­ren scheut. Des Wei­te­ren weckt er Som­mer­ge­füh­le, ver­mit­telt ei­nen stim­mi­gen Ein­druck von Win­ter­thur und weckt die Lust auf den ge­plan­ten drit­ten Teil.
Die 1975 ge­bo­re­ne Au­torin Eva As­hin­ze ist ver­hei­ra­tet und Mut­ter von zwei Kin­dern. Wie ihre Prot­ago­nis­tin lebt und ar­bei­tet sie als selbst­stän­di­ge An­wäl­tin in der sechst­gröss­ten Stadt der Schweiz.

Lino Pi­nar­di, In­ner­rho­di­sche Kan­tons­bi­blio­thek