Das Lied von Eis und Feuer — Game of Thrones

Bü­cher (Bän­de 1–10): Ge­or­ge R.R. Mar­tin, Das Lied von Eis und Feu­er. — Mün­chen : Pen­hali­gon, 1997-. Auch als E‑Book er­hält­lich un­ter www.dibiost.ch.

DVD / Blu-Ray (Staf­feln 1–6 bzw. 60 Epi­so­den zu je 50 Mi­nu­ten, ab 16 Jah­ren): Game of Thro­nes. — Ham­burg : War­ner Home Vi­deo Ger­ma­ny, 2012-.

Bü­cher

Ent­we­der man liebt die Bü­cher oder man kann gar nichts da­mit an­fan­gen. So ist das Echo meist, wenn die Rede auf die Fan­ta­sy-Saga „Das Lied von Eis und Feu­er“ (Ori­gi­nal­ti­tel: A Game of Thro­nes) von Au­tor Ge­or­ge R. R. Mar­tin kommt.

Mitt­ler­wei­le sind zehn Bän­de in deut­scher Spra­che als Pa­per­back er­schie­nen. Wei­te­re sind in Ar­beit. Der Ein­stieg in die Ge­schich­te fällt nicht ganz leicht. Vie­le Per­so­nen- und Orts­na­men, Kö­nig­rei­che und Dy­nas­tien er­schwe­ren an­fangs die Ori­en­tie­rung. Es lohnt sich je­doch, sich et­was durch­zu­beis­sen, denn bald fin­den sich die Fä­den zu den ein­zel­nen Ge­schich­ten: Da gibt es die Mau­er im Nor­den, hin­ter der et­was Be­droh­li­ches lau­ert, die Fa­mi­li­en­kon­flik­te der Bar­a­the­ons, Len­nis­ters, Starks, Ty­rells und Grau­f­reuds mit ih­ren An­sprü­chen auf den Ei­ser­nen Thron, die zum „Krieg der fünf Kö­ni­ge“ füh­ren, den nur ei­ner der Herr­scher über­lebt, so­wie die Ge­schich­te von Kö­ni­gin Dae­nerys Tar­ga­ry­en mit ih­ren drei Dra­chen. Auch sie er­hebt aus dem Exil An­spruch auf die Herr­schaft. Die Hand­lungs­strän­ge ver­mi­schen und ver­knüp­fen sich und wer­den aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln aus der Sicht der Haupt­per­so­nen be­leuch­tet. Ab­ge­se­hen von ein­zel­nen ma­gi­schen Ele­men­ten, den Wöl­fen der Starks und den Dra­chen von Dae­nerys fin­det sich in den Ge­schich­ten we­nig Fan­ta­sy. Es ist viel mehr die zeit­lo­se Ge­schich­te von Herr­schaft und Ge­walt, Macht­kampf und In­tri­ge, Hass und Ra­che, spie­le sie nun im Mit­tel­al­ter, an das sich der Au­tor stark an­lehnt, oder in der Ge­gen­wart: Le­se­sucht vor­pro­gram­miert!

Ver­fil­mung

Am 16. Juli um 21.00 Uhr fei­er­te die sieb­te von acht Staf­feln von „Game of Thro­nes“ ihre welt­weit lang er­war­te­te Pre­mie­re auf dem US-Sen­der HBO; in Deutsch­land war die ers­te Epi­so­de dann ei­nen Tag spä­ter auf dem Pay-TV-Sen­der Sky zu se­hen. Dass R. R. Mar­tins 6600 Sei­ten um­fas­sen­des Epos je ver­filmt wür­de, schien ein Ding der Un­mög­lich­keit. Und als die Pro­du­zen­ten Da­vid Be­nioff und D. B. Weiss von HBO an den Au­tor her­an­tra­ten, um ihn für eine fil­mi­sche Um­set­zung des His­to­ri­en­dra­mas zu ge­win­nen, ent­geg­ne­te die­ser: „Ihr seid ver­rückt. Das ist zu gross. Zu kom­pli­ziert. Zu teu­er.“ Trotz­dem wag­te man das Ver­rück­te und be­gann im Ja­nu­ar 2007, un­ter Dreh­buch-Mit­hil­fe von Mar­tin, mit der Ent­wick­lung der TV-Se­rie. Die Erst­aus­strah­lung (die Pi­lot­fol­ge kos­te­te zwi­schen 5 und 10 Mil­lio­nen US-Dol­lar, wäh­rend das Ge­samt­bud­get der ers­ten Staf­fel auf etwa 50 bis 60 Mil­lio­nen US-Dol­lar ge­schätzt wur­de) er­folg­te dann im April 2011. „Game of Thro­nes“ wur­de im Lau­fe der fol­gen­den Staf­feln von Kri­ti­kern hoch ge­lobt und mit et­li­chen Prei­sen über­häuft. Es wa­ren gleich meh­re­re Grün­de, wes­halb die bei­spiel­los er­folg­rei­che Ver­fil­mung von „Game of Thro­nes“ ste­tig stei­gen­de Zu­schau­er­zah­len ver­zeich­nen konn­te und zum gröss­ten Er­folg für HBO und ei­nem all­ge­mei­nen TV-Er­eig­nis wur­de: Die ver­schie­de­nen Hand­lungs­strän­ge wer­den der­art cle­ver mit­ein­an­der ver­bun­den, dass die Span­nung stets auf­recht­erhal­ten wird, die Cha­rak­ter­zeich­nun­gen der Fi­gu­ren mit ih­ren geist­rei­chen und wit­zi­gen Dia­lo­gen sind äus­serst ge­lun­gen. Die phan­tas­ti­schen Schau­plät­ze mit den de­tail­ge­treu­en Set­tings sind ein vi­su­el­les Er­leb­nis; die Zeit des Mit­tel­al­ters wird rea­lis­tisch wie nie zu­vor um­ge­setzt. Dies gilt auch für die Dar­stel­lung blu­ti­ger Ge­walt (die Se­rie ist nichts für zar­te Ge­mü­ter!): Es wird eine Epo­che in­sze­niert, in wel­cher man ganz schnell in ein Mes­ser lau­fen konn­te und das kur­ze Le­ben des ein­zel­nen un­be­deu­tend war und nicht je­nen Stel­len­wert hat­te, den wir ihm heu­te ge­ben. Be­son­ders ist auch die Of­fen­heit der Se­xua­li­tät in „Game of Thro­nes“, wel­che die­sen mensch­li­chen Aspekt ohne das ver­lo­gen-keu­sche Hol­ly­wood-La­ken über dem blan­ken Bu­sen der Ge­lieb­ten zeigt. Wer ein­tau­chen will, in eine der fes­selnds­ten und ge­lun­gens­ten Pro­duk­tio­nen der Film­ge­schich­te, dem sei die­ses Film-Epos emp­foh­len: Se­ri­en-Sucht vor­pro­gram­miert!

Iris Schl­äp­fer & Ge­rold Eb­ne­ter, Me­dia­thek der Kan­tons­schu­le Tro­gen